Sonntag, 2. Januar 2011

One more time

Draußen sinken vereinzelte Schneeflocken leidenschaftslos zu Boden. In den meisten Haushalten packen die weiblichen Angehörigen ein Arsenal der diversen Diätgurus aus, die diese unsere Welt da so zu bieten hat. Im Fernsehen laufen ausschließlich Filme, die mindestens 15 Jahre alt sind und die auch damals schon niemanden interessiert haben. Die Bildungswütigen unter uns realisieren, dass jetzt definitiv die Ausreden ausgehen, weswegen nicht gelernt werden kann und die übrigen kotzen sich einfach so an. Denn, oh treue Freunde des alkoholisierten Schwankes auf schwingenden Böden, es ist Neujahr.
Jedes Jahr aufs neue wird uns diese perfide Hinterhältigkeit reingedrückt- man arbeitet gefühlte Monate auf diese zwei Tage hin, die sich da Weihnachten und Silvester nennen, und bumm, sind sie vorbei. Aber anstatt dann ein bisschen Verschnaufpause zu haben, um zu akzeptieren, dass das alter Jahr passé ist, sich zum sterben in eine dunkle Höhle verzogen hat und abgetreten ist, den Löffel abgegeben hat, die Radieschen von unten anschaut, ja, quasi ein Ex-Jahr ist- stattdessen müssen wir uns gleich mit einem neuen rumärgern. Mit einem neuen, schrecklich jungen, motivierten und idealistischen Jahr, das uns versucht einzureden, dass dieses Mal alles anders, alles besser wird, dass wir mehr Geld haben und die Liebe unseres Lebens finden werden und endlich dem konsequent verstopften Abfluss im Badezimmer den Stinkefinger zeigen können.
Jedes Jahr das Gleiche. Dabei fühlt man sich doch in den ersten Tagen nach Silvester eigentlich ganz anders, zwischen dem ersten und dem vierten Januar zumindest, in etwa. In diesen paar ersten Freshmen Tagen des neuen, hibbelig auf und ab wippenden Jahres wird einem bewusst, dass die Zeit vergeht, EGAL was man tut, selbst, wenn man immer noch nicht großartig geworden ist. Immer noch Zweifel hat. Und immer noch nicht so ganz genau weiß, wer man eigentlich ist, ob man lieber in Heidelberg oder Manhattan leben will und wieso man sich das alles eigentlich überhaupt antut, die Sache mit dem Leben und der Selbstfindung. Im Großen und Ganzen herrscht in den ersten Tagen nach Silvester ein posttraumatischer Ausnahmezustand; wir werden ohne gefragt zu werden von einem Jahr zum nächsten geschubst, obwohl die Laune doch mehr nach Anhalten und mal drüber nachdenken ist, bevor man gleich wieder mit den über die Feiertage erfolgreich verdrängten Pflichten des drögen und und debil grinsenden Alltags bedrängt wird. In gewisser Hinsicht ist Silvester da wie Geburtstag haben.
In jedem Fall aber geht es Anfang Januar eher schleppend voran; nicht mal die Schneeflocken haben die Muse, vernünftig zu fallen, und die Sache mit den Diätgurus, liebe Damen der Schöpfung, wird doch eh nix, nur, weil gerade Neujahr ist. Genauso hört man nicht leichter auf zu rauchen und fängt an mehr Sport zu machen, schafft es nicht mehr zu vergessen, die Katze zu füttern oder schreibt endlich einen langgehegten, zumeist in Gedanken, Roman fertig, nur weil es gerade zufällig der erste Monat des Jahres ist. Und trotzdem nehmen wir uns immer wieder Dinge vor, die DIESES Jahr ganz sicher klappen werden. Denn irgendwie, neben sämtlichen Verpflichtungen, die wieder auf uns eindröhnen und uns nicht in Ruhe lassen wollen, bringt das neue Jahr doch auch ein gewisses Gefühl des Generalablasses. Gut, 2010 hat mich nicht großartig gemacht- nehmen wir eben 2011. Und sobald die ersten, schwierigen Tage nach der Geburt des Jahres vorbei sind, fühlen wir uns ja auch ganz gut damit und lassen uns von der hektischen, verstrahlten Begeisterung mitreisen, die das frische Jahr verströmt. Denn, ist sämtlicher Alkohol der Neujahrsnacht erst einmal abgebaut, der erste Schock über den Rückzug ins echte Leben verarbeitet und ein vager Plan gefasst, dann fühlt es sich doch eigentlich ganz gut an, der theoretische Neuanfang, der uns vom Januar vorgegaukelt wird.
Und schön wars ja doch auch, oder? 2010, meine ich. Bedeutend erfolgreicher und im allgemeinen sinniger als 2009, zumindest in meiner Welt. Es gab wenig zu bereuen, nicht mal die Neujahrsnacht gab Anlass (vgl.2009...), nur vielleicht ein kleines bisschen, aber eher wegen Dingen, die NICHT getan wurden. Na, wir haben ja schon ein neues Jahr, da kann man das ja nachholen-
Abschließend lässt sich sagen: das Gehirnzellenmassaker von 2010 hat stattgefunden! Und nun: One more time...

Freitag, 24. Dezember 2010

Dear Santa

Meine lieben Freunde,

es ist Weihnachten. Schon wieder.
Doch allen typischen Widrigkeiten (Familie, Schnee, Mangel an adäquaten Geschenken) zum Trotz wünsche ich euch ein bisschen innere Ruhe, Gelassenheit, falls ihr nicht mehr fahren müsst ausreichend Alkohol (auch, um vorangegangene Attribute zu vereinfachen), falls ihr noch fahren müsst halbwegs geräumte Straßen- und alles in allem ein frohes Fest, gutes Essen und allgemein keinen Stress.
Denkt dran: das perfekte Weihnachten GIBT ES NICHT!
Und wenn der Baum brennt und Opa mault, die lieben Kleinen sämtliche Ohren blutig tremolieren, der Vogel scheiße schmeckt und die eigenen Eltern halt immer noch die eigenen Eltern sind, die einem auch mit 25 noch sagen, wie man sich zu benehmen hat-
dann, ja, Dann! liebe Freunde,
Dann ist Weihnachten.
;)

Fröhliches Feiern allerseits!

Montag, 6. Dezember 2010

Lieber, guter Nikolaus

Zwar hatte ich heute morgen keine Schokolade in meinen Stiefeln, dafür musst du letzte Nacht eine Sicherung für Alltagsidioten in meiner Winterjacke eingenäht haben- vielleicht hast du auch nur die neueste Version installiert, wer weiß, allerdings wäre die Vermutung, dass ich schon länger mit solch einem Sicherheitsnetz durchs Leben gehe, nicht unbegründet; in Anbetracht der Tatsache, wie oft ich mich schon fast aus Versehen selber ins Jenseits befördert hätte, einfach, weil ich z.B. keine Energie daran verschwende darüber nachzudenken, dass es gefährlich sein könnte, einen brennenden Toaster mit der Gieskanne zu löschen und ähnliches.
Wie auch immer, vor ungefähr einer Stunde wäre ich also beinahe erfolgreich von einer bei meinem Anblick auf den Gleisen wütend klingelnden Straßenbahn in Stücke gefahren worden, weil ich meinte, die Tram auf der ANDEREN Straßenseite, die sich, bei genauerer Betrachtung, noch nicht mal als meine herausstellte, UNBEDINGT noch kriegen zu müssen- und so also frohen Mutes losstach und dabei die Tatsache, dass, wenn die eine Straßenbahn in meine Richtung fährt, die andere in die andere fahren muss, geflissentliche verdrängte, was die erheiternde Konsequenz hatte, mich für den Bruchteil einer Sekunde, vor Schreck ganz hibbelig vor lauter Adrenalin, Auge in Auge mit besagter wütend klingelnden Straßembahn zu sehen, nur um festzustellen, dass, käme es zum Zweikampf mit direktem Körperkontakt, die Chancen, den Kürzeren zu ziehen, doch ganz gut stünden. Also hüpft man hektisch weiter und versucht die aufdringlichen Assoziationen des strunzdummen Wildtieres zu vermeiden, das nichts Besseres zu tun hat, als sich im Dämmerlicht in die Schusslinie des nächstbesten LKWs zu stellen und mal zu kuckn, was so passiert. Bevors uns noch zu wohl wird hier.
Statt sich aber nach überstandener Konfrontation mit der Gefahr in voreiliger Sicherheit zu wiegen entdeckt man, dass der Urheber des ganzen Problems, nämlich die ANDERE Straßenbahn, sich inzwischen, nachdem die Straßenüberquerung aufgrund des gar lustigen Vorfalls mit Tram 1 etwas länger als berechnet gedauert hatte, nun auch schon in befremdlicher Näher befindet, was einen als letzte Verzweiflungstat dazu veranlasst, mit der Eleganz eines hüftkranken Nilpferdes
in den locker über die Schulter geschätzt 6 meter tiefen Schnee zu springen, der sich, da außer Reichweite auf Schienen fahrender Objekte befindlich, dafür geradezu anbot. Trägt zwar nicht zu trockenen Socken bei, wirkt aber ungemein lebensverlängernd, im richtigen Moment angewandt.
Nachdem also endlich die andere Straßenseite erreicht war, musste man sich erst mal die Ohren zuhalten vor lauter Scham und ein bisschen dümmlich grinsen, denn das hat der Typ, der das alles beobachtet hat, auch gemacht- und letztendlich steigt man dann in die Bahn ein, die ja doch immer noch die falsche ist, um damit eine Station zu fahren und gleich wieder auszusteigen. Nur, damits nicht ganz umsonst war.
In jedem Fall, lieber Nikolaus, war das heute bedeutend cooler, die Sache mit dem noch nicht tot sein, im Vergleich zur Schokolade, mein ich. Hoffe, der Rest der Welt wird harmloser beschenkt-
beste Grüße,
I

Freitag, 12. November 2010

Dunkel, schön, fremd- und gar zu verlockend

Im Zuge der nächsten Donnerstag in die Kinos kommenden Kinoversion der ersten Hälfte des siebten Potter Buchs lese ich eben jenes gerade wieder - zum dritten Mal. Und, nachdem ich es jetzt nach gut 100 Seiten Lesen ohne Pause geschafft habe, doch kurz meine Aufmerksamkeit von den wohl bekannten und trotzdem jedes Mal wieder erstaunlich mitreisenden Ereignissen im Buch loszureisen, um meinen rebellierenden Magen mit gesunden Pommes zu füllen, komme ich nicht umhin, mir (ebenfalls zum wiederholten Male) Gedanken über den unwahrscheinlichen Erfolg dieser Geschichte zu machen, die mittlerweile selbst Geschichte geschrieben hat.
Ich kenne beinahe niemanden, der nicht fasziniert ist von Harry Potter. Einige Wenige halten standhaft ihre Borniertheit aufrecht und weigern sich, ein gutes Wort über Harry zu verlieren- allerdings sind diese doch eindeutig in der Unterzahl, was, wie ich vermute, auch der einzige Grund ist, immer noch diese Meinung zu vertreten: der Status der Minderheit, das es-anders-machen. Aber das jetzt beiseite, wahrscheinlich würden die, die Harry Potter aus diesen Gründen nicht lesen, auch Frieden doof finden, wenn keiner mehr dagegen wäre. Also, weiter im Text.
Was ist es denn eigentlich, das dieses Phänomen zu einem solchen macht?
Meiner Ansicht nach -und damit bin ich mit Sicherheit nicht alleine, da diese Ansicht wiederrum meiner Ansicht nach irgendwie offensichtlich ist- ist der Hauptgrund der schiere Drang nach Realitätsflucht. Der sehnliche Wunsch, es könnte sich irgendwann alles ändern, wir würden heute schlafen gehen in unserem kleinen, über große Strecken langweiligen Leben, und morgen in einer aufregenden Welt voller kleiner Elfen und großer Abenteuer wieder aufwachen. Oh, Pathos.
Aber Fakt ist doch: welche Werke der fiktionalen Geschichtsschreibung (habt ihrs gemerkt? Das war ein doppeldeutiges Wortspiel-) haben das meiste Aufsehen erregt, die meisten Menschen in ihren Bann gezogen und die größten Bewegungen frenetischer Anhänger mobilisiert?
Allen voran: Der Herr der Ringe. Harry Potter. Per Anhalter durch die Galaxis. Ja, genau! Man denke an den Towel Day, an unzählige Filme und unsägliches Merchandising- aber warum das alles? Warum stehen die Menschen Schlange, um Filme wie Matrix oder Inception zu sehen? Warum sind wir begeistert von Walther Moers und Stephenie Meyer?
Es ist die Möglichkeit einer Realität, liebe Freunde, die leise Hoffnung, dass all das, was wir dort lesen und sehen, eine mögliche Wahrheit ist. Eine Chance, auszubrechen.
Natürlich sollte hierbei vielleicht angemerkt werden, dass in all den aufgezählten Beispielen die Welt in irgendeiner Form gerettet werden muss und wir uns meistens Hand in Hand mit den Helden durch die Geschehnisse bewegen. Außerdem gewinnen in der reinen Fiktion doch zumeist die Guten- Darth Vader mag zwar Lukes Vater gewesen sein, tot war er trotzdem am Ende. Und Isabella Swan war vielleicht eine untote Gruselkreator am Schluss ihrer vampiresken Quattrologie, trotz allem aber Mitglied einer intakten Familie und -selbstverständlich- keine Mörderin, sondern brave Vampirvegetarierin.
So gesehen sind die Ereignisse also zum Großteil doch leicht überspitzt. Und Ms Rowling hat sicher auch gut daran getan, den Ausflug in Harry, Ron und Hermiones Leben NACH Voldemort auf ca. zehn Seite zu beschränken. Trotz allem aber denke ich, dass eine Superhero Geschichte in unserer bloßen Realität nicht auf derartigen Anklang stoßen könnte, einfach, weil es da nichts zu träumen gibt. Wahrscheinlich würde uns Harry auch nur halb so interessieren, wenn wir die Seiten umblättern könnten, ohne sie anfassen zu müssen oder der Hausschlüssel uns finden würde statt wir ihn. In diesem Fall wäre wahrscheinlich die Geschichte von der Tengelmannkassiererin, die die Kunden bekämpft, aufregender...
Trotz allem aber, wir leben nun mal nicht in einer Welt, in der wir Dinge fliegen lassen, in einer, die unerkannt im Untergrund der Zukunft stattfindet, oder in einer, in der unser Planet einer interstellaren Umgehungsstraße weichen muss, weswegen wir uns schnell von einem Raumschiff mitnehmen lassen, um irgendwann auf einem Planeten zu gastieren, auf dem die Bewohner kommunizieren, indem sie sich in die Oberschenkel beißen. Wir leben nun mal in unserer Welt, stehen jeden Tag auf, gehen zur Arbeit, zerbrechen uns den Kopf über Energiekosten und Mietzahlungen. That's life, tatsächlich.
Und nun kommen kreative Genies und erfinden Parallelwelten für uns, die noch soviel mit unserer echten Welt gemein haben, dass sie tatsächlich möglich erscheinen, aber doch in so weit anders sind, als das sie noch dazu sogar interessant sein könnten. Cool. Wer könnte da nein sagen. Die Wenigsten (und die, dies können, sind wahrscheinlich entweder extrem glücklich oder extrem fantasiearm...), eben.
Übrigens müssen die fantasievollen Alternativleben nicht mal in einer fiktiven Welt angesiedelt sein- auch fiktive Leben in einer realen Welt erfüllen ihren Zweck. New York City mag ja eine tatsächlich existierende Stadt sein, eine 40 Kilo leichte, mit 500 Paar Designerschuhen ausgestattete und von einem mageren Kolümnchen lebende Halbberühmtheit sind trotzdem die meisten von uns nicht; genausowenig wie der durchschnittliche Klinikarzt jede Woche eine andere, ans Nonexistente grenzende, aufregende Krankheit souverän durch den Geistesblitz während einer willkürlichen Unterhaltung mit seinem besten Freund diagnostiziert. Ja, selbst die fiktionalen Hausfrauen, die uns vorgesetzt werden, führen ein Leben wie man es sich aufregender kaum vorzustellen vermag- wer fragt sich da bitte nicht, ob sein Leben nicht IRGENDWIE anders sein sollte.
Fassen wir also zusammen: wir mögen unsere Welt nicht so recht, deshalb flüchten wir vor ihr, so oft es geht. Wir würden lieber in einer leben, in der wir tolle Dinge tun könnten, reich und schön wären oder in der es zumindest lustige Geschöpfe wie Hobbits gibt. Die Existenz anderer lustiger Geschöpfe wie Orks oder Schwarzmagiern würden wir in Kauf nehmen dafür, dass sich unser Tee von alleine umrührt. Richtig?
Ja... vielleicht. Vielleicht ein paar Wochen, evtl sogar ein halbes Jahr. Aber spätestens dann denke ich würden wir merken, dass auch die aufregenden Parallelwelten irgendwann weniger aufregend werden, nämlich dann, wenn Alltag einkehrt. Wenn wir jeden Tag aufstehen, zur Arbeit ins Ministry of Magic gehen, uns Gedanken darüber machen, wie wir unser fliegendes Auto geheim halten oder wie zur Hölle wir in einem Raumschiff eine vermünftige Tasse Tee produzieren sollen; wenn wir merken, dass Manhattan ein beschissen teures Pfalster ist oder die Hausfrau eben nur noch Hausfrau ist und nicht mehr Übermutti mit Geld und Gucci. Sobald uns die Abenteuer ausgehen, langweilen wir uns, egal wo.
Fazit? Eigentlich können wir uns unser Leben überall fad machen- aber auch überall aufregend gestalten, wir müssen es nur tun. Und wie wir das tun, bleibt letztendlich uns selbst überlassen- ob wir fremde Länder bereisen, 7 Kinder bekommen oder Bücher über unser Fantasieleben schreiben ist da doch eigentlich egal... Wir dürfen uns nur nicht mit unserer Langeweile abfinden. Wird der Wunsch, im Märchen zu leben, zu übermächtig, sollte etwas geändert werden. Und in der Zwischenzeit können wir ja immer noch Harry Potter lesen.

18.11.! Geht ins Kino!

Sonntag, 31. Oktober 2010

42

War die Nummer des unten veröffentlichten, gestrigen Blogs. Erstaunlich.
So, das wollte ich nur mal gesagt haben.
Ach, und nochwas: Trick or Treat-

Happy Halloween!

Samstag, 30. Oktober 2010

Vorübung fürs Jahresresümee

Was war das Tollste, das euch jemals passiert ist?
Wann wart ihr das letzte Mal wirklich glücklich?
Wer sind die 8 wichtigsten Menschen in eurem Leben und wann habt ihr es ihnen das letzte mal gezeigt?

Ich bin schon wieder in Weihnachtsstimmung. Ja, ein bisschen früh, wobei Ende Oktober für meine Verhältnisse eigentlich schon die schiere Spätzündung ist. Auf jeden Fall aber stimmt mich meine Weihnachtlichkeit doch irgendwie nachdenklich- mal abgesehen von anderen Dingen, die sich gerade in meinem Leben abspielen, die mich doch auch recht exzessiv grübeln lassen.
Ich meine, wenn ihr euch die oberen Fragen mal durch den Kopf gehen lasst, und -ehrlich- beantwortet, gibt einem das nicht zu denken?
Was ist das Tollste, das MIR jemals passiert ist? Hm. Ich bin schon oft beinahe überfahren worden- wer hat auch die dämliche Regel eingeführt, dass Fußgänger für Autofahrer anhalten müssen und nicht umgekehrt. Trotz meiner konsequent ignoranten Blindheit im Großstadtverkehr aber habe ich bislang immer überlebt- war das etwas, das in die angeführte Rubrik fallen könnte? Natürlich, wenn ich jetzt tot wäre, fände ich das auch nicht soo toll- aber im Grunde fühlt sich sowas nicht unbedingt wahnsinnig spektakulär an, selbst wenn man -vielleicht ja!- knapp dem Tod entronnen, ihm nochmal wild mit den Armen schlenkernd von der Schippe gesprungen ist.
Stattdessen könnte ich jetzt, wenn ich drüber nachdenken würde, hundert andere Sachen anführen, die schon irgendwie gut waren- aber, das Tollste, das mir JEMALS passiert ist? Da wartet man doch eher auf die Million im Lotto, den Traumprinz, der in seinem teuren, chauffierten Auto vor unserer Haustür hält und uns heiraten will, obwohl wir als Prostituierte arbeiten. Aah, und nein, ich meine nicht mich.
Alles in allem also scheint das Leben eher weniger das große Kino aufzufahren, wenn es an das Leben der meisten geht. Und die, denen das große Kino tatsächlich widerfährt- tja, Schwein gehabt. Die allermeisten von uns müssen sich nämlich wohl oder übel doch damit zufrieden geben, immerhin noch nicht tot zu sein.
Zweite Frage: wann wart ihr das letzte Mal richtig glücklich?
Tja... bis heute war ich der Auffassung, der letzte wirklich glückliche Moment in meinem Leben- also, WIRKLICH glücklich, nicht einfach nur zufrieden, sich mit den Gegebenheiten abfindend und irgendwie damit lebend, sondern wirklich glücklich: dieses Gefühl der absoluten Perfektion, des kompletten in sich Ruhens. Passiert selten, dauert ungefähr 4 Minuten- aber immerhin! Also, auf jeden Fall war ich bis heute der Ansicht, das dieser letzte denkwürdige Moment in meinem Leben im ca. Februar 2008 stattgefunden hat. Allerdings scheint das nicht ganz zu stimmen- scheinbar hatte ich im ungefähr Mai diesen Jahres auch eine ganz gute Phase, die ich aber, unterstelltem Hirnschaden sei Dank, recht schnell mitsamt ihrer positiven Grundstimmung aus meiner Erinnerung gestrichen habe. Wie war das? Ich glaube nicht ans Prinzip des Glücklichseins, meine Lebensphilosophie hat mich wieder.
Auf jeden Fall lohnt es sich aber, zu versuchen sich diesen letzten Moment des Glücks zu visualisieren- und drüber nachzudenken, was einen dazu veranlasst hat. Vielleicht könnten wir uns unser Leben alle ein bisschen heller gestalten, wenn wir das ab und zu versuchen würden, anstatt immer nur drauf zu warten, dass das Beste, was uns jemals passieren wird (ergo die Million oder der Traumprinz oder das perfekte Leben am perfekten Ort) eintritt- denn, aller Wahrscheinlichkeit und empririschen Forschungen meinerseits zufolge wird das nicht passieren. Und wir werden ewig warten und ewig unglücklich sein.
Wer sind die 8 wichtigsten Menschen in eurem Leben und wann habt ihr es ihnen das letzte mal gezeigt?
Ja... schwierig. Ich bin mir recht bewusst über meine 8- über den Rest? Ich denke, manchen zeigt man es schon, manchen weniger, aber eigentlich sollte man es allen zeigen, so oft, wie möglich- denn diese 8 (oder lasst es 5 oder 17 sein, mir egal)sind doch das, was unser Leben eigentlich ausmacht. Also, damit will ich nicht sagen, dass wir uns an diese Menschen klammern sollen; nur, dass der Begriff der 'Familie' flexibel ist und gewisse Personen, Verwandtschaft hin oder her, früher oder später dazugehören und deswegen gewertschätzt gehören. Denn auch kleine Gesten können glücklich machen, insbesondere von Menschen, die man liebt. Natürlich ist das auch individuell- manch einer ist emotional zugänglicher als andere, aber zeigen sollte man es trotzdem allen. Tut man es nicht, oder noch schlimmer, bewegt sich ins Gegenteil hinein- es macht einen nicht glücklich, glaubt mir.
Kurzum also: Weihnachten droht wie ein hungriger Kampfhirsch am düsteren Horizont, die Geschenkefrage taucht vielleicht ein erstes Mal leise und heimtückisch in unseren Gedanken auf, es wird furchtbar kalt und wir rotten uns alle in unseren Wohnungen zusammen und trinken Vodka. Und denken bei der Gelegenheit am besten mal drüber nach, ob wir glücklich sind, warum wirs nicht sind, und wie es unseren most important persons da so geht. Und dann setzen wir unsere conclusions in die Tat um, gleich, wenn wir wieder nüchtern sind.
Vielleicht gehts uns hinterher besser.

Freitag, 15. Oktober 2010

Ruhig, Brauner

Guten Abend,

liebe Freunde, die Uni hat mich verschluckt. Die Uni und das Leben- und bis ich wieder ausgeschieden werde, hängt mein wundervoller Blog in den Seilen. Habe ich so den Eindruck. Dafür fühlt sich gerade alles ziemlich gut an, so, zur Abwechslung. Wir sind schon ganz verwirrt ob dieser ungewohnten Empfindung- aber irgendwie werden wir auch das meistern, dieses einschüchternde sich-gut-fühlen. Bedauerlicherweise hatte Kurt Cobain aber halt doch recht:
Thanks for the tragedy- I need it for my art.
Und auch wenn man nen Blog jetzt vielleicht nicht als große Kunst bezeichnen kann, es stimmt halt doch. Irgendwie hab ich das Gefühl, wer sich gerade nicht mit planetenverrückenden Dramen außeinandersetzen muss, der ist irgendwie- unproduktiv. Also, zumindest aus ernstzunehmender Sicht, bunte Blümchen malen und lustige Gedichtchen schreiben kann wahrscheinlich auch der fröhlichste Mensch. Bringt nur keinem was.
Da zwingt sich einem doch schon fast die Frage auf, ob man nicht eigentlich unglücklich sein will, so, um dann auch mal wieder was zu Papier zu bringen. Eine gute Freundin von mir sagte ja mal 'Isa, ich glaub, du kannst nur glücklich sein, wenn du unglücklich bist'. Stimmt das jetzt also, weil ich mich gerade schon fast ein bisschen mit meiner verblödeten Zufriedenheit überfordert fühle? Oder ist das einfach nur so verdammt ungewohnt, dass ich mich nach meinen Problemen zurücksehne, damit ich wieder weiß, wo mein Kopf steht? Eigentlich glaube ich ja nicht ans Prinzip des Glücklichseins. Na, da kommen hier ja ganze Weltanschauungen ins Wanken.
Naja, nur nicht voreilig in Panik verfallen, geht auch vorbei. Zu Hilfe, wahrscheinlich bin ich der einzige Mensch der Welt, der sich wünscht, weniger zufrieden mit seinem Status quo zu sein, nur, um mal wieder ein bisschen vernünftig-deprimierte Prosa produzieren zu können. Also, man muss ja nicht gleich wieder RICHTIG unglücklich sein, nur so ein arbeitsförderndes bisschen...
Ok, ich seh schon. Ich lass es und ergebe mich meinem Schicksal und fühle mich gut. Der nächste glücksdeterminierende männliche Mensch wird schon auftauchen und dann können wir auch wieder vernünftig schreiben =).

Also, Peace, Freunde! Love! Happiness!

PS: Ich erkenn mich selbst nicht wieder.
PPS: Hirntumor?
PPPS: Ich muss verrückt sein.